| Warum
heißt KTMs große Viertakt-Sportenduro eigentlich EXC 520 Racing, wo sie
doch "nur" 509 ccm hat?
Ganz einfach: Weil man mit ihr durchaus 520 km am Stück fahren kann.
Seit diesem Jahr sogar 525 km.
Wir habens ausprobiert und zwar bei der diesjährigen
EnduRoMania. Das
Roadstar Motorcycles Team hat zum dritten Mal daran teilgenommen. Im
Gegensatz zu den beiden vorhergegangenen Jahren allerdings nicht mit den
beiden Mannschaften "RSMT Men" und "RSMT Women",
sondern in einem gemischten Team.
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Nachdem sich unser
drittes männliches Teammitglied Robby Labinsky beim
Supermoto-Fahren an der ohnehin schon verletzten linken Schulter
auch noch das Schlüsselbein kompliziert gebrochen hatte, war für
ihn die Teilnahme erledigt. Seine Frau Heike wollte dann alleine
auch nicht mitfahren, so war für den Rest des Teams klar, wir
fahren ""mixed", also Beate und Germar Probst, meine
zuständige Fach-Lebensabschnittsgefährtin Birgit Janus und ich. |
Ebenso klar war für uns auch schon
vorher gewesen, dass wir die ganze Sache diesmal eher touristisch angehen
und nicht auf Ergebnis fahren würden. Denn wir hatten in den letzten
beiden Jahren gesehen, dass man, um wirklich Chancen auf den Sieg zu
haben, auch große Strecken onroad fahren muß, da viele der lukrativen
Kontrollpunkte weit vom jeweiligen Basislager entfernt liegen. Und um zum
Beispiel die fetten Punkte von der Donau und Umgebung einzusacken, bedarf
es schon einiges an Leidensfähigkeit, um mit einer 8 cm breiten
EXC-Sitzbank stundenlang auf den holprigen Straßen Rumäniens
rumzuhoppeln. Also lautete die Devise auch schon vor Robbies Ausfall:
Spaß haben, auch mal was ausprobieren, und den Preis des "Most Relaxed Teams" anpeilen.
Dann kam uns aber die neue EnduRoMania-CD
dazwischen. Der Ur-EnduRoManiac Marcello Sieling stellt seit einigen
Jahren eine CD-ROM zusammen, auf der sind Videos, Bilder, GPS-Koordinaten,
-Waypoints und -Tracks, Reiseberichte von Teilnehmern usw. versammelt.
Als uns Sergio Morariu, der Initiator und
Gründer der Enduromania-Stiftung, im Frühjahr unsere Teilnahme
bestätigt hatte, schrieb er auch, dass es seit diesem Jahr völlig neues
Kartenmaterial gäbe und dass diese Karten zusammen mit den
GPS-Koordinaten aller aktuellen Checkpoints auch auf Marcellos neuer CD
wären.
Die mußte ich haben! Kurze eMail an
Marcello und kurz darauf hatte ich die CD im Laufwerk liegen. Die neuen
Karten waren zwar für das TTQV-Programm von Touratech kalibriert, aber
auf der CD findet sich auch eine Demo-Version dieser GPS-Software. Die
Karten waren schlichtweg ein Traum. Maßstab 1:100000, also ein guter
Kompromiß zwischen Übersichtlichkeit und Detailliertheit und
offensichtlich sehr genau (Kompliment an den EnduRoMania-Kartografen
Carlos Varga!).
Und noch was war neu, und das war
letztlich das, was unseren bisherigen Plan über den Haufen warf und die
Operation "Go for Gold" ins Rollen brachte: Es gab einen Weg mit
zugehörigen Checkpoints offroad zur Donau!
Spasseshalber hatte ich dann mal zu Hause
am Computer eine Tagestour zusammengestellt. Auf dem "neuen" Weg
runter an die Donau, dabei schon mal fünf, sechs Checkpunkte en passant
mitgenommen, dann die "Big Points"am großen Fluss eingesackt
und die Runde so zu Ende gebracht, dass man auch auf dem Rückweg nach
Brebu Nou, unserem Basislager, nicht taten- sprich punktelos bleibt. Das
sah gut aus! Eine erste Addition der dabei zu erlangenden Wertungspunkte
ergab die stolze Summe von 47000! Die Addition der dabei zurückzulegenden
Kilometer brach ich dann allerdings ab, als mir schwindlig wurde.
Als ich dem restlichen Team davon
erzählte, meinte ich ein gewisses Mitleid in ihren Mienen zu erkennen.
Sie dachten wohl, jetzt würde das nächste Mitglied aus gesundheitlichen
Gründen ausfallen.
Zumindest ließen sie mich noch ausreden.
Ich erläuterte dann mit blumigen Worten, anschaulichen Bildern und
griffigen Vergleichen unter Aufbietung all meiner rhetorischen Künste
meinen Plan. Der erste, der wieder aufwachte, war Germar, der lapidar
brummelte: "Ja, ja, schon gut, träum weiter." Birgit und Beate
blickten sich nur an. Ich hatte sie restlos überzeugt! Geradezu sprachlos
waren sie!
Meine eigene Euphorie sank dann
allerdings mit jeder Stufe, mit der ich am PC die Kartenansicht
verkleinern mußte, um die gesamte Route überhaupt auf dem Bildschirm
darstellen zu können. War das vielleicht doch ein wenig weit für einen
Tag?
Am Freitag, den 01.08.03 starteten wir.
Wir hatten uns mit Beate und Germar an
der Rastanlage Jura bei Neumarkt/OPf. verabredet. Dort mußten wir noch
die eine oder andere Bruttoregistertonne umladen, denn Probstens
gut(aus)gebautes Wohnmobil "Aida" (nach dem gleichnamigen
Kreuzfahrtschiff) hatte mit den eingekauften Vorräten doch ein bißchen
Speck um die Hüften angesetzt. Und da wir befürchteten, dass sich die
österreichischen Weight Watchers nicht genügend von Aidas üppigen
Formen beeindrucken lassen würden, um von Abspeckmaßnahmen unserer
Portemonnaies abzusehen, mußte unser sportlicher italienischer Dreisitzer
die Bürde des Getränketransports auf seine schmalen Schultern nehmen.
| "Kermit"
,unser grüner Iveco, war ganz stolz und wir rollten zügig nach
Südosten. Der erste Zwischenfall ereignete sich in Österreich.
Birgit konnte sich nicht mehr beherrschen und fiel über die
Kaubonbons her, die wir eigentlich mitgenommen hatten, um sie im
Rahmen unserer touristisch angehauchten Enduro-Wanderwoche an
rumänische Kinder zu verschenken. |
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Ist die Bezeichnung
"Plombenzieher" für diese Dinger bekannt? Genau. Wir
fuhren also in die schöne Stadt Wels an der Donau und versuchten am
Freitag um 15:00 Uhr einen Zahnarzt zu finden. Das Ergebnis
entsprach den Erwartungen. Wir konnten aber immerhin rauskriegen,
dass es am Samstag einen zahnärztlichen Notdienst gäbe, Freitag
nachmittag jedoch leider nicht. |
Also fuhren wir weiter Richtung Rumänien
und hofften darauf, dass uns Sergio dort einen Zahnarzt vermitteln konnte.
Nach einer größtenteils
unspektakulären Fahrt mit Übernachtung in Ungarn kamen wir dann am
Samstag nachmittag in Brebu Nou an. Wir waren ziemlich die ersten am
Treffpunkt, der ehemaligen Schule, und konnten uns auf der zum
Campingplatz umfunktionierten Wiese einen schönen Platz für unsere
Minimal-Wagenburg aussuchen.
Sergio und seine Crew konnten dann
tatsächlich einen Termin mit einer deutsch sprechenden Zahnärztin in
Resita vereinbaren. Birgit sollte also am folgenden Montag um 13:00 Uhr in
der ca. 30 km entfernten Kreisstadt sein.
Nun hatte ich aber in der Zwischenzeit
das Team so weit belabert, dass wir am ersten "Wettkampftag", also
besagtem Montag, die Tour an die Donau in Angriff nehmen wollten. Vom
Ablauf dieses Tages wollten wir die Entscheidung über die Gesamtstrategie
2003 abhängig machen. Wenn diese Tour einigermaßen zufriedenstellend
gelaufen wäre, hätten wir die Operation "Go for Gold" wohl
versucht durchzuziehen. Wenn wir aber –wie wohl eher zu vermuten stand-
gegen Mittag immer noch auf der Suche nach dem ersten Checkpoint im Wald
um Brebu Nou umherirren würden, so wäre der Rest der Woche dann wohl
gemütlich verlaufen und wir hätten gesagt, dass wir ja niemals vorgehabt
hätten, in irgendeiner Weise und überhaupt bla bla.
Jetzt hatten wir aber einen Zahnarzttermin
und Resita passte absolut nicht in die geplante Tagestour. Was tun? Wir
gründeten einen Arbeitskreis, der eine Projektgruppe einsetzte, die ein
Konzept erarbeiten sollte, welche langfristige Strategie nun zu ergreifen
wäre und welche Taktiken zur Verfolgung derselben geeignet erschienen.
In kontroversen und doch sachlich geführten Diskussionen einigte man sich
letztlich auf folgendes Ergebnis: Wir fahren halt am Montag nicht an die
Donau sondern in die grobe Richtung Resita! Genial! Erstaunlich, was
modernes Projektmanagement zu leisten vermag.
Den Sonntag verbrachten wir damit, uns
mental auf die Herausforderungen vorzubereiten, die unserer harrten. Wir
badeten im nahegelegenen Stausee, freundeten uns mit unseren tschechischen
Nachbarn vom Konecny-Team an und quatschten mit Sergio und den anderen
Teilnehmern, die wir zum Teil schon von den letzten Jahren kannten.
| Germar und ich hatten
uns noch über die Karten hergemacht und mit GPS, Notebook,
Textmarker und Edding-Stiften für jeden Tag eine Tour
zusammengestellt. Wie gesagt, immer in Abhängigkeit vom Ergebnis
unseres "Donautags", bzw. davon, ob die Sache mit dem
Zahnarztbesuch klappen würde. |
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Am späten Nachmittag waren wir beiden
dann noch mit den Mopeds losgezogen, um wenigstens den Einstieg und die
ersten Kilometer unserer Donautour zu erkunden. Dabei mußten wir gleich
am Anfang einen ziemlich steilen Waldweg hinauf.
"Ob unsere Mädels da
rauffahren?" Wir zweifelten nicht, dass sie es schaffen würden. Das
Problem war eher mentaler Natur und bestand darin, dass die Damen in
Anbetracht größerer Höhenänderungen auf relativ kurzem Weg, sprich
steiler Auf- oder Abfahrten, gerne mal verweigern. "Ihr wollt uns
umbringen, das ist viel zu steil" und so ähnlich. Zu 98 % schaffen
sie es dann aber locker, meistens noch souveräner als wir Männer, die in
derartigen Fällen dazu neigen, es weniger mit Gefühl als mittels
brachialer Motorgewalt zu versuchen und dabei öfter mal im wahrsten Sinne
des Wortes übers Ziel hinaus- oder daran vorbeischießen.
Zu einem Prozent schaffen sie es unter
Schwierigkeiten aber zumindest ohne fremde Hilfe und ohne größere
Schäden sowohl hinauf als auch hinab. Das letzte Prozent, das
übrigbleibt, sorgt dafür, dass sie an der nächsten steilen Stelle
abermals in ....hm....Respekt verharren.
Wir dachten noch kurz darüber nach, die
Tour einfach andersrum zu fahren, denn eine steile Abfahrt kurz vor
Feierabend wäre doch leichter zu vermitteln als gleich zu Beginn die
Motivation auf einer Waldauffahrt zu begraben. Aber auch diesen Gedanken
verwarfen wir wieder und beschlossen, das "Problem" einfach zu
verdrängen.
Eine Stunde später waren wir wieder im
Camp und warfen den Grill fürs Abendessen an.
"Und wie ist es?" fragten
Birgit und Beate.
"Schöne Strecke so weit".
"Jaa, immer schön auf der Hochebene entlang. Klasse Wege".
Weder besagte Auffahrt noch die tiefen
Auswaschungen noch die zahlreichen Schäferhunde fanden Erwähnung. Es gab
ja auch gleich Essen und warum sich den Appetit verderben?
Beim Begrüßungsabend am Lagerfeuer
wurden dann die einzelnen Teams vorgestellt. Auf die Frage Sergios, welche
Ziele wir uns für unsere dritte Teilnahme vorgenommen hatten, stapelten
wir erstmal tief. Wir hätten ja wie bereits erwähnt unsere
gemischtgeschlechtlichen Teams zusammenwürfeln müssen und damit würden
wir Männer jetzt unter dem Druck stehen, zumindest den letztjährigen
fünften Platz des RSMT Women-Teams halten zu müssen. Und außerdem
müßten wir ja zum Zahnarzt. Kein Ton von Operation "Go for
Gold". Muß irgendwie untergegangen sein.
Nach einer eher unruhigen Nacht –Zahnarztbesuch
und "Go for Gold"-Nervosität sorgten für Umwälzungen in den
Schlafabteilungen des Teams- starteten wir am Montag gegen neun Uhr.
Der erste Teil der Strecke verlief auf uns mittlerweile geläufigen Wegen
über Semenic, Cosava Canton Ape und den Buhui-See und wir kamen gut
voran. Ab Anina bewegten wir uns auf navigatorischem Neuland.
Nachdem wir uns nur ein- zwei Mal leicht
verfahren hatten, näherten wir uns dem ersten 4000er (nicht Höhenmeter
sondern Wertungspunkte!), als sich Germar einen Platten einhandelte.
Aufgrund des näherrückenden Zahnarzttermins beschlossen wir uns
vorübergehend zu trennen. Germar und Beate wechselten den Schlauch,
während Birgit und ich die Punkte von Garliste-Bahnhof und –Tal
abholten. Dann wollten wir nach Resita zum Zahnarzt fahren und
anschließend wieder die beiden anderen treffen, die nach erfolgter
Reifenreparatur direkt nach Resita fahren sollten.
Den Bahnhof hatten wir relativ schnell
gefunden. Dieser befindet sich erstaunlicherweise hoch über dem Tal mit
dem zugehörigen Ort Garliste und sollte dauernd besetzt sein.
Da war aber niemand. Nach ca. 5 Minuten
schlappte ein nur mit Unterhose bekleideter triefnasser Mann über die
Wiese Richtung Bahnhof. Seine Klamotten trug er über dem Arm.
Offensichtlich hatte sich der Bahnhofsvorsteher gerade eine Dusche in seinem Wohnhaus
gegönnt.
Wir erhielten unseren Stempel, aber meine
Frage nach dem Weg ins Tal konnte er nicht beantworten. Die klassische
rumänische Wegauskunft: Zeige in irgendeine beliebige Richtung, sage den
Namen des gesuchten Ortes gefolgt von einem akustischen Fragezeichen und
du wirst ein überzeugtes "da, da", also "ja, ja"
hören. Zeige dann in die genau entgegengesetzte Richtung, wiederhole den
Ortsnamen und die Antwort wird unverändert "da, da" lauten.
Aber immer freundlich, da gibts nichts.
Normalerweise macht mir das nichts aus.
Jetzt drängte allerdings die Zeit. Wir lagen zwar noch gut in der
selbigen, aber groß verfranzen brauchten wir uns jetzt nicht mehr.
Die dunkle Wolke über Birgits Helm, die
von Minute zu Minute an Bedrohlichkeit zunahm, verhieß nichts Gutes.
Außerdem hatte mir Sergio am Abend vorher noch erzählt, dass es wohl
ziemlich schwierig sei, besagten Weg zu finden. Die Nervosität stieg.
Sollte die Operation "Go for Gold" daran scheitern, dass der
versagende Navigator von seinem zornigen zahngeschädigten Weib in die
Schlucht gestoßen wurde?
War es Glück oder eine höhere Macht,
die mir beistand, auf jeden Fall kamen wir auf die Minute genau zum Termin
mit der Zahnärztin. Die folgende Stunde verbrachte Birgit im
Behandlungsstuhl und ich damit, auf dem Marktplatz in Resita die
interessierten Fragen der Bevölkerung nach Hubraum und Preis der KTMs zu
beantworten, so gut es ging. Besonders letzteres ist schon ein wenig
komisch in Anbetracht der Armut in diesem Land.
Im Vergleich dazu ist eine
Kariesbehandlung inklusive Füllung eines Zahns für umgerechnet 10-15 Euro
schon bemerkenswert. Und Birgits Schilderung zufolge waren sowohl
Behandlung als auch Gerät der Zahnärztin einwandfrei.
Als wir schließlich zum vereinbarten Treffpunkt
fuhren, dachten wir, Beate und Germar wären dort wohl schon
festgewachsen. Schliesslich wechselt Germar mittlerweile Reifen und
Schlauch auch nachts um drei in nullkommanix und wir hatten auf der Karte
gesehen, dass die beiden von dem Pannenort aus grad mal zwei Kilometer
geradeaus auf der Forststrasse fahren müßten, um auf die Hauptstrasse
nach Resita zu kommen.
Dem war wohl nicht so. Die Forststrasse
wurde zum Forstweg, der Forstweg wurde zum Wanderweg, der wiederum zum
Pfad wurde und zu guter Letzt in eine Schlucht führte. Germars Versuch, ein
Stück weit den steilen Pfad in die Schlucht hinab zu fahren, um sich den
weiteren Verlauf anzusehen, endete damit, dass er eben nicht endete. Trotz
nachdrücklicher Verzögerungsversuche mit allem, was dafür zur
Verfügung stand, rutschte er unaufhaltsam ziemlich weit hinunter, so dass
weder an wenden noch an zurückfahren zu denken war.
Die nachfolgende Stunde verbrachten die
beiden dann damit, mittels Bergeseil (Grundausstattung bei der
EnduRoMania) die KTM aus der Schlucht zu ziehen bzw. zu schieben. So kamen
wir also fast gleichzeitig am Treffpunkt in Resita an.
Unser Tagesplan war immer noch machbar.
Wir wollten eigentlich nur noch über das Secu-Hotel und Talva Campului
hoch nach Lindenfeld und von dort aus über Zagoru zurück nach Brebu Nou.
Vom Forsthaus Talva Campului rüber nach
Lindenfeld hatten wir uns nochmal kernig verfahren. Als wir endlich den
richtigen Weg gefunden hatten, gings relativ flott bis zu dem mittlerweile
verlassen Dorf und von dort weiter Richtung Zagoru. Germar und ich
wußten, dass es jetzt noch eine ziemlich schwierige Stelle für die Mädels
gab. Das war der von uns so genannte "Goldweg". Dieser zweigt
von der Forststraße von Lindenfeld herunter ab und führt ziemlich steinig
und steil recht weit hinauf auf die Hochebene. "Goldweg" haben
wir ihn deshalb getauft, weil das Gestein dort sehr glimmerhaltig ist.
Deshalb konnten wir uns auch recht genau daran erinnern.
In Anbetracht der bisherigen
Anstrengungen kamen unsere Amazonen aber recht gut hinauf.
 |
Oben war aber erst mal
Pause angesagt, die die Mädels zur Erholung und wir dazu nutzen,
unter Verwendung diverser Kabelbinder einige verbogene und abgebrochene Teile an
den Motorrädern notdürftig zu reparieren. |
Danach rollten wir dann "gemütlich" nach Hause.
Einen am Weg liegenden GPS-Checkpoint und
den an der Zagoru-Hütte nahmen wir noch mit und kamen schliesslich recht
ausgepumpt in Brebu Nou an.
| Martin Prochazka (2. von
rechts) von unseren tschechischen Freunden hatte dann noch ein
Highlight für uns bereit: Er kam abends herüber und fragte, ob wir
vier Becher oder ähnliches hätten. Es gäbe noch eine
Überraschung. |
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Wie sich herausstellte, ist Martin im
richtigen Leben Chefkoch in einem Hotel in Prag und verwöhnte uns noch
mit einer Riesenportion leckeren selbstgemachten Eises. Wir konnten nur
ahnen, wie es seinen Teammitgliedern gehen musste. Ich hoffe, sie haben
ihn nicht nur seiner Kochkünste wegen mitgenommen.
Für den nächsten Tag stand die
Donautour an.
Die Fragen nach der voraussichtlichen
Gesamtstrecke umging ich geschickt. Ich wußte es selbst nicht so genau
und wollte es eigentlich gar nicht wissen. Wir hatten uns darauf geeinigt,
erst mal bis zur Donau zu fahren, um dann dort in Anbetracht der Tageszeit
zu entscheiden, ob und wie wir weiter- bzw. zurückfahren. Übernachten
wollten wir keinesfalls da unten.
Über die besagte "Einstiegsauffahrt"
machten wir uns überhaupt keine Sorgen mehr. Wir hatten am ersten Tag
gesehen, wie zäh die Mädels sind und welche Sachen die mittlerweile ohne
größere Probleme fahren.
Und so war es auch. Auswaschungen und
Schäferhunde beeindrucken sie auch nicht mehr großartig, so
kamen wir echt super voran. Allerdings konnte man schon deutlich erkennen,
wer an welcher Position fuhr. Birgit hatte leichte Staubspuren an den
Klamotten und im Gesicht, Beate war schon ziemlich verstaubt und Germars
Aussehen kam einem panierten Schnitzel sehr nahe. Nur ich war
vergleichsweise wie
aus dem Ei gepellt! Schon nicht schlecht, so ein GPS-Gerät, vor allem,
wenn es das einzige im Team ist und man vorausfahren darf.
Das eingeplante Luncavita mit Tankstelle
verpassten wir, aber laut Karte käme ja noch eine Tanke kurz vor der
langen Waldstrecke Richtung Donau. Tanke war auch da, allerdings
"Pumpe kaputt". Mist aber auch. Na gut, was solls. Wir hatten
die großen Tanks drauf und gestern schon gesehen, dass sich der
Spritverbrauch eigentlich in Grenzen hielt. "Mann" war doch
etwas sparsamer unterwegs, wenn die Mädels dabei waren. Ich weiß: Die
Jungs von der Reiseendurofraktion liegen jetzt am Boden vor Lachen, wenn
ich bei 13 Litern Inhalt von "großen Tanks" spreche. Ist aber
immerhin 50 % mehr als sonst. Weiterhin ist mir bekannt, dass die Aussage
bezüglich der Geschwindigkeit auch nicht überall auf Gefallen stoßen
wird. Aber ich bin eben mutig. Na, vielleicht nehme ich den Absatz noch
raus....
Was soll ich groß rumreden. Am Ende des
Tages hatten wir geklärt, warum die große KTM 520er heißt, konnten auf
den Dingern weder sitzen noch stehen, waren nach 14 Stunden fix und fertig
erst im Dunkeln im Camp eingetrudelt und hatten 41000 Punkte mehr auf dem
Konto.
Wenn jetzt nichts großartiges mehr
passieren würde, dürfte der Entgegennahme eines Pokals nichts mehr im
Weg stehen. Zumal wir gestern auch schon 27000 Punkte eingesackt hatten.
Diese Einschätzung meinerseits teilte das Team allerdings nicht.
"Ja, ja. Letztes Jahr hast du auch
rumgetönt, wir könnten gewinnen und nix wars." "Schau dir mal
die Dänen und die Schotten an, die sind auch total gut unterwegs",
"Wir haben noch zweieinhalb Tage vor uns, da kann noch viel
passieren". Ich war von hoffnungslosen Optimisten umgeben.
Tag drei –die Nordost-Route. Muntele
Mic, Tzarku und die auf dem Weg liegenden Checkpunkte standen auf dem
Programm. Die westliche Auffahrt zum Muntele Mic waren die Mädels bisher
noch nicht hochgefahren.
"Ist das sehr steil?" Aha, die
üblichen Bedenken. Ich versuchte also, mein Tempo der vermeintlichen
Geschwindigkeit der Damen anzupassen. Als es dann richtig steil und
steinig wurde, schaute ich mich um, ob mein Abstand auch nicht schon zu
groß geworden sei. In dem Moment bretterte Birgit auch schon an mir
vorbei und auch Beate hätte mich ums Haar über den Haufen gefahren, weil
ich da so rumtrödelte. Von wegen ängstlich. So wie die beiden drauf
waren, hatten wir auch keine Bedenken mehr vor der langen Auffahrt zum
Tzarku. Einmütig legten sich die beiden in einer der ersten Kehren zu dem
2200 m hohen Berg noch hin, aber dann folgte eine Vorstellung, die an
Lance Armstrong und Jan Ullrich am Tourmalet erinnerte. Eisern kämpften
sie sich hoch. Wir waren stolz auf unsere Mädels! Natürlich hatten sie
das nur geschafft, weil wir Männer sie physisch und psychisch so gut
aufgebaut hatten. Das jahrelange ausgefeilte Training und die äußerst
feinfühlige psychologische Betreuung machten sich nun bezahlt. Ob wir
unser offensichtliches Talent auch der Deutschen Enduro-WM-Mannschaft zur
Verfügung stellen sollten?
Über die Tatsache, dass Beate und Birgit
diese Leistung in erster Linie sich selbst zuschrieben und dabei völlig
verkannten, welche Trainergenies dies erst möglich gemacht hatten, sahen
wir großmütig hinweg.
Doch damit nicht genug: Auch die
physiotherapeutische Seite wird abgedeckt: Birgit hatte am Muntele Mic
wohl doch zu sehr am Gasgriff gedreht, jedenfalls bekam sie im Laufe des
vierten Tages Schmerzen im rechten Handgelenk.
 |
Dr. Probst fackelte
nicht lange und verpasste ihr einen mustergültigen Tape-Verband mit
modernstem Carbon-Kevlar-Materialmix, das wir gerade im Auftrag der
NASA testeten. Nur auf den ersten Blick könnte es der Laie auch mit
herkömmlichem schwarzen Kunststoff-Isolierband verwechseln. |
Nicht mehr an Ort und Stelle reparieren
konnten wir allerdings Beates 400er. Auf dem Rückweg von Baile Herculane
nahm das Unheil seinen Lauf. Es kündigte sich zunächst mit üblen Motorgeräuschen an, setzte sich mit abnehmender Leistung
fort und zu guter Letzt gab der Motor mit enormen Rauchzeichen kund, dass
er jetzt genug hatte. An ein Weiterfahren war nicht zu denken und das
knapp 50 km von Brebu Nou entfernt. So kam unser Bergeseil zu weiteren Ehren.
Nachdem das GPS an meiner KTM war und
wir noch zwei Checkpoints im Programm hatten, tauschten wir die Mopeds
einmal komplett durch. Birgit übernahm meine 520er und Beate die 400er von
Birgit. Die beiden fuhren dann alleine weiter während Germar Beates
kaputte 400er steuerte, die ich wiederum mit Germars 520er zog. Alles
klar? Ist auch nicht so wichtig.
Auf der E 70 ging das Schleppen
jedenfalls erstaunlich zügig voran. 60-70 km/h waren kein Problem, auch
das Überholen klappte gut.
Schwierig wurde es dann auf dem letzten
Stück von Slatina Timis nach Brebu Nou. Je näher man Brebu Nou kommt,
desto schlechter wird der "Straßen"belag und desto enger werden
auch die Kurvenradien, besonders für den Geschleppten. Unseren Vorsprung vor den Mädels, die wie gesagt
noch zwei Checkpunkte mitgenommen hatten, konnten wir nur bis kurz vor dem
Ziel halten. Dann war unser Ausreißversuch beendet und sie hatten uns
wieder eingeholt. Auf den Massensprint am Ziel verzichteten wir dann.
Trotz dieser Widrigkeiten hatten wir
schon wieder das geplante Tagespensum geschafft. Zur Belohnung gabs
diesmal von unserem tschechischen Chefkoch Vanillepudding mit Früchten.
Was nun noch blieb, war den Sack
zuzumachen. Am Freitag vormittag starteten Germar, Birgit und ich um die
letzten verbliebenen Punkte zu holen. Beate hielt Wacht am
Krankenbett ihrer 400er. Als wir gegen Mittag zurückwaren, hatten wir
insgesamt 122500 Punkte gesammelt. Dazu kamen nochmal 8000
Bonuspunkte", weil wir die komplette Wertungspunktefamilie
"Speicherseen" abgegrast hatten.
Ich war wieder der einzige, der glaubte,
das müßte eigentlich für den Sieg reichen. So viele Punkte hatte bis
dato noch niemand in der Geschichte der EnduRoMania erreicht. Aber da
waren doch noch einige Teams, die man auf der Rechnung haben mußte. Als
wir am Freitag nämlich auf dem Rückweg ins Lager waren, begegneten uns im
Wald das Warchinger Team "Yamaha Königsdorfer". Im Gespräch mit den Warchingern, wie es
denn so gelaufen sei, erfuhren wir, dass sie bis auf ca. 8-10 Checkpunkte
alle abgegrast hatten. Hoppla! Das konnte eng werden! Auch wir hatten
einige Punkte links liegen lassen, weil die zuviel Zeit gekostet hätten.
Es blieb also spannend bis zur abendlichen Siegerehrung am
Lagerfeuer.
Fazit:
Es hat in der Tat gereicht. Sogar mit dem
absoluten Punkterekord, der jemals bei bisher 42
EnduRomania-Veranstaltungen seit 1995 erreicht worden ist.

Wir sollten für das nächste Mal
Chefkoch Martin Prochazka von den Tschechen abwerben. Zumal wir uns dann
wirklich mehr Zeit nehmen werden, um seine Kreationen gebührend würdigen
zu können.
Das nächste Motorrad, das ich mir
zulege, hat keine 520 ccm mehr, sondern höchstens noch 125.
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